Tagebuch


 

Annemarie Ebm-Schaljo, Christine Michaela List, Katharina Moser, Andreas Orisini-Rosenberg und Wolf Werdigier

Vernissage
Donnerstag 08. Juni 2017, 19 Uhr

Dauer der Ausstellung
09.06.2017 - 06.07.2017

Am 15. März 2017 hat die Produzentengalerie Wien ein neues Projekt ins Leben gerufen: "Tagebuch". Die KünstlerInnen haben ab diesem Zeitpunkt bis einschließlich 31. Mai 2017 Gedankensplitter und Arbeiten in Form eines persönlichen Tagebuchs dokumentiert. Auf Facebook und Instagram sind die täglichen Zwischenschritte in Form von Arbeiten der teilnehmenden KünstlerInnen gepostet worden. Die Ergebnisse dieser fünf individuellen Prozesse werden in der Juni-Ausstellung der Galerie präsentiert.

Das Tagebuch zeigt uns das Wunder des „unverpatzten“ neuen Tages. Jeden Morgen haben wir die Chance, neu zu beginnen. Für 78 Tage hat das Projekt Räume für Abläufe, intensive Themenbeschäftigung und Selbstbeobachtung angeboten. Die daraus entstehende Ausstellung stellt ein vielfältiges Projekt dar: Der Ablauf vom Thematisieren des Tagesereignisses, über das Assoziieren von geeigneten Metaphern und Darstellungsmöglichkeiten, bis hin zur Beobachtung der Persistenz der Themen durch die gesamte Zeit hindurch.

Einzelne Zitate von den KünstlerInnen über ihre persönlichen Gedanken und ihren Zugang in Bezug auf das Projekt:

Wolf Werdigier:
"Ursprünglich hatten wir vor, das Projekt als Timeline zu präsentieren: Ein Tag nach dem anderen, aufgereiht. Aber dieses Bild von unserem Leben als exakter Zeitablauf ist nur in unserer Vorstellung. Das Tagebuch zeigt uns, dass unser Leben eine Ansammlung von Themen ist, mit denen wir uns beschäftigen und die, wie Wellen, immer wieder auftauchen und verschwinden. Das einzelne Datum ist meist unbedeutend.
Das Tagebuch lehrt uns auch, dass, wenn wir das Wichtige des Tages nicht nur einfach aufschreiben, sondern auch überlegen, womit wir es assoziieren, wie wir es darstellen können, welche Metaphern die richtigen sind, es in Beziehung zu anderen Ereignissen setzen, dass wir dann eine viel tiefere Beziehung zu unserem Leben finden, uns mehr ernst nehmen, aber auch wie in einem Kokon einspinnen. Es ist eine interessante Beobachtung, wie Aufmerksamkeit funktioniert."

Katharina Moser:
„Und nicht die einzelnen Ereignisse des Tages sind wesentlich, sondern die Farbe des Tages – wie greift sich der Tag an? Diesen sehr subjektiven Eindrücken möchte ich ein Bild geben, von Tagen, die Straßenbahn fahren, bis zu zu bloody mondays. Mit einem kleinen Augenzwinkern über die eigenen Befindlichkeiten.“

Annemarie Ebm-Schaljo:
„Das Tagebuchprojekt hat mir Bewusst gemacht, wie kostbar unsere Lebenszeit ist. Wie selbstverständlich wir sie für die sogenannten „wichtigen Dinge“ des Lebens verschwenden. Aber unsere Zeit ist endlich. Darum ist es wichtig, bewusst den Tag zu leben, die Dinge tun, die man liebt, die für uns von Bedeutung sind, unserer Intuition und unserem Herzen zu folgen, zu uns selbst zu stehen. Lernen den Augenblick zu genießen…es gibt nur diesen…jedem Tag die Chance zu geben, ein guter zu sein.“

Andreas Orsini-Rosenberg:
„Was ist Tagebuch? 
Eine effektive Möglichkeit zur Reflexion über die Wahrnehmung der Abläufe im eigenen Leben und in der Welt. Von Innenschau bis zur Betrachtung der äußeren Abläufe und wie sie uns beeinflussen. Die Konzentration auf einige stärkere Ereignisse oder Träume, ob angenehm oder nicht, macht klar, dass der Lauf der Lebenszeit nicht wie auf einer Uhr funktioniert. Sogar die Chronologie wird unwichtig. Man entdeckt Entsprechungen und Bezüge und es wird interpretiert und ergründet. Ausschlaggebend sind Prägung, Genetik, und die Lebensverhältnisse. Es ist also eher individuell aus meiner Sicht und Kooperationen und Dialoge wie bei jeder anderen Thematik künstlerisch zwar möglich, aber niemand wird sein innerstes Eigenes völlig preisgeben, weshalb die Präsentation von Tagebüchern immer auch einen gewissen Anteil von Extraversion bedingt.“

Christine Michaela List:
„Projekt Tagebuch, die Zeitabfolge vom Rhythmus Tag-Nacht bringt es auf den Punkt. Worin gleicht ein Eintrag dem anderen, wenn auch nicht an allen Tagen gemacht, so doch zumindest an den Kreuztagen. Welche Themen, welche Eindrücke, Einfälle finde ich spannend genug, sie zu einem Tagebucheintrag zu verarbeiten.  Mir ist dabei aufgefallen, dass ganz bestimmte Farbkombinationen, Stimmungen für mich spürbar werden lassen und mir besonders gut ein gewisser Humor in Situationen gefällt, der so nicht beabsichtigt ist.“

 

Der Verlauf des Projekts kann auf der Instagram Seite der Produzentengalerie Wien gesehen werden: