Angela Andorrer

Angela ANDORRER reist gern. Derzeit weniger in die Ferne als in die Nähe. Genauer gesagt reist sie auf den Häuten von Blättern und von Menschen. „Handflächen und Blätter sind meine Karten. An ihren Bergen und Tälern, an ihren Flüssen und Wegen  orientiere ich mich in der Welt.“

Die Künstlerin entnimmt der Natur Blätter, trocknet, presst und bearbeitet diese mit Acryl, Garn und Perlen – BLATTSCAPES. Die äußeren Formen der Blätter ähneln Inseln und geologischen Formationen. Besonders inspirieren sie von Schnecken, Raupen und Käfern zerfressene Blätter. Wenn ein Blatt an einer dünnen Stelle bricht, näht sie es wieder zusammen, ähnlich einer chirurgischen Operation. Die kleineren Blatt-Objekte nimmt sie mit auf Wanderungen und porträtiert sie vor Landschaften, in der GALERIE DER REISENDEN BLÄTTER – „Landschaft in der Landschaft, oder Mikrokosmos im Makrokosmos.“ In den Performances SKINS & LEAVES treten Menschen in Beziehung zu größeren BLATTSCAPES. Es entsteht ein intimer Dialog der Texturen zwischen den Landschaften und Häuten der Körper und der Blätter, ein neuer Sinnzusammenhang zwischen Mensch und Natur.  Die Adern von Blättern erinnern an Handlinien. Und die Häute der Blätter sind, ähnlich menschlicher Haut, mal rau, mal seidig und glatt, mal pelzig und samtig, dann wieder rissig oder übersät von Punkten.

Jede Hand trägt eine andere Landschaft und eine andere Geschichte in sich, die bereist und kartiert werden kann – HANDSCAPES. Dies kann performativ und live, mit Farben, direkt auf der Haut entstehen oder kontaktlos mittels fotografischer Abbildungen der Handfläche. „Die Bemalungen erinnern trotz ihrer Abstraktion an Landkarten oder Luftaufnahmen von Landschaften aus größter Entfernung. Die Landschaften können unterschiedlicher nicht sein. Manchmal gleichen sie blühenden Feldern, auf denen hier und dort pflanzenartige Gebilde sprießen. Dann wieder sind es karge wüstenartige Gegenden, durchzogen von ausgetrockneten Flussläufen, oder Gebirge mit schroffen Erhebungen, auf denen es kaum zu grünen vermag, und zwischen denen sich Flüsse mit eisigem Wasser zwängen. Dabei gleicht kein Werk dem anderen, da der Ausgangspunkt immer die individuelle Beschaffenheit einer Hand ist.“      – Achim GNANN, Kurator der Albertina Wien

Die „Gehandscapten“ sind nach der Performance oft berührt, denn sie wurden „gesehen“. Manche, u.a. auch die österreichische Filmemacherin Elisabeth Scharang, schrieben der Künstlerin, dass sie in der darauf folgenden Nacht intensiv träumten. Durch die Entfremdung von der Subjektivität der eigenen Nähe hat der oder die HandeignerIn die Möglichkeit kurzzeitig Abstand zu nehmen.

„Wenn ich eine HANDSCAPE entdecke, ist es, als ob ich über ein Land fliege, und die Wolken reißen kurzzeitig auf. Manchmal öffnet sich eine Hand und wird zum Wald, zum Gebirge, zum Meer. Auf ihren Bergen und Tälern wandere ich. Ihren Pfaden und Abzweigungen folge ich. An ihren Flüssen und Wegen orientiere ich mich in der Welt. In ihren Landschaften der Hände finde ich Ruhe und Schönheit.“

Angela ANDORRER wurde  in Kanada geboren, in der Nähe von Halifax, am Atlantik. Ihre Schulzeit verbrachte sie in Grafing bei München.  Von ihrem Vater, Antarktisforscher und Professor für Kartographie erbte sie die Liebe zur Landschaft und zu Karten, von ihrer Mutter, Inhaberin eines Stoffgeschäftes, die Liebe zum Handwerk.  Als Beruf kam für sie nur etwas mit Musik (Geige) oder mit bildender Kunst in Frage, und letzteres studiert sie dann in Montreal (Concordia University) und  München (AdbK Akademie der bildenden Künste). In den 2000ern arbeitete sie einige Jahre kuratorisch für das Kulturreferat der Stadt München. Seit 2015 lebt und arbeitet sie in der Nähe von Wien, in Klosterneuburg im ATELIERHAUS ANDORRER, mit großem Garten, in unmittelbarer Nähe zur Donau.

www.andorrer.at